Lactuca sativa var. capitata, Salat, Winterhäuptel Moosbacher
Capsicum annuum, Paprika, Paradeisfrüchtiger Grüner Rund
Coriandrum sativum, Koriander, Indischer
Calendula officinali, Ringelblume, Gelb u. Orange Blüten
Lycopersicon esculentum, Tomate, Orange Östreicher
Hordeum vulgare, Wintergerste, Alte aus Hassloch
Avena sativa, Hafer, Schwarzer aus dem Münsterland
Abelmoschus esculentus, Okra, Bamja Yeni Konak dan

Ein Verein zur Erhaltung von Nutzpflanzen.

 

In Deutschland gibt es tausende Gartenbauvereine. Nur wenige haben sich das Ziel gesetzt, Sorten alter Nutzpflanzen weiter zu vermehren und sie an andere Gärtner weiterzugeben.

Tatsächlich bestehen große Unterschiede zwischen modernen Hochertragssorten und den Sorten unserer Vorfahren. Diese Unterschiede offenbaren sich im Ertrag, im Geschmack, in der Robustheit und in den Inhaltsstoffen der Früchte und Gemüse.

Im Zuge der grünen Revolution bis heute im beginnenden Zeitalter der Gentechnik wurden die Sorten unserer Nutzpflanzen in Richtung Mehrertrag und Rationalisierung weiter entwickelt.

Durch den Einsatz von Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel und Maschinen stiegen die Erträge. Die Lebensmittelpreise sanken dadurch und damit die Rentabilität, eigene Früchte und Gemüse anzubauen. Die Selbstversorgung kam aus der Mode. Die Gartenkultur entwickelte sich in Richtung Freizeitgarten mit Ziergehölzen, sowie Rasen- und Steinflächen. Dadurch verschwanden viele tausende Sorten unserer Vorfahren und viele Gemüsearten, die vor 100 Jahren noch bekannt waren, wurden vergessen.

Seit den 80er Jahren keimte eine neue Gartenbewegung auf. In vielen Hausgärten wurden derzeit häufig Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Das Angebot der Lebensmittel war umfangreich, aber fade. Viele Gärtner begannen mit biologischen Gartenbauverfahren zu experimentieren und verzichteten fortan auf künstliche Hilfsmittel.

Die Sortenauswahl war beschränkt auf das, was man tauschen konnte und das, was renommierte Saatgutfirmen im Angebot hatten.

Im Zeitalter der Gentechnik wurde der Blick auf die Genetik unserer Sorten genauer. Die meisten Verbraucher lehnen eine gentechnische Veränderung unserer Nahrungsmittel ab. Diese Veränderung wurde durch zwei Verfahren bewerkstelligt:

- Durch gentechnische Manipulation bei Soya; Raps, Baumwolle, Mais und Zierpflanzen

- Durch mutagene Züchtung mithilfe radioaktiver und chemisch mutagener Substanzen

bei so gut wie allen wichtigen Kulturpflanzen.

Im Angebot der Saatgutfirmen findet man zudem immer mehr F1-Hybrid-Sorten. Diese Sorten sind besonders homogen, aber auch sehr beschränkt bezüglich ihrer Genetik. Die guten Eigenschaften und damit die Anbautauglichkeit gehen bereits in der ersten Generation verloren.

 

Viele tausende alte Sorten unserer Vorfahren waren alle samenfest. Samenfest bedeutet, dass man mit den Samen der Sorten beliebig oft weiterzüchten kann.

Die Umstände,

dass viele Sorten verloren gingen und weiterhin viele Sorten davon bedroht sind, verloren zu gehen,
dass sowohl die genetische als auch die subjektive empfundene Qualität von konventionellem Saatgut oft mangelhaft ist,
dass im Handel angebotenes Saatgut nicht nachhaltig anbautauglich ist,

bewegen viele Menschen und unseren Verein, sich für den Erhalt alter Sorten einzubringen.

 

Permakultur und „on-Farm-“ oder „in-situ-Erhaltung“

Die Nachfrage nach biologisch angebauten Lebensmitteln steigt von Jahr zu Jahr. Auch in den Hobbygärten hat sich die letzten Jahrzehnte die Biogartenkultur weiter entwickelt. Insbesondere der Ansatz, nachhaltige Gärten mit großer Artenvielfalt zu schaffen, war für viele Umweltschützer ein Anliegen. Was aus Umweltschutzaspekten inspiriert war, entpuppte sich gleichsam als Lösung vieler Probleme im biologischen Gartenbau.

Je größer und harmonischer die Vielfalt in einem Gartenökosystem ist, umso weniger werden Pflanzen krank oder von Schädlingen befallen. Dieses nachhaltige Gartenbaukonzept nennt man Permakultur. Mischkultur ist, aufgrund der Erkenntnisse der Wechselwirkungen bestimmter Pflanzengemeinschaften, ein wesentlicher Teil der Permakultur.

In-Situ oder on-farm-Erhaltung bedeutet die Vermehrung von Pflanzen im eigenen Garten. Prinzipiell ist das gar nicht schwer, da jede Pflanze anstrebt, sich zu reproduzieren. Die In-situ-Erhaltung war vor der grünen Revolution noch üblich. Man nutzte primär, was man selbst herstellen konnte, und Saatgut wächst in derart großen Mengen heran, dass immer etwas zum Tauschen bleibt.

Erst heute, im Zeitalter der Gentechnik gewinnen wir die Erkenntnis, dass Pflanzen Ihre Erbinformationen auf unterschiedliche Art und Weise weiter geben. Zum einen als Erbgut, entsprechend der Genetik der Vorfahren, zum anderen als epigenetische Erbinformation, welche die Aktivität bestimmter Gene regelt.

Genau diese Erkenntnis passt hervorragend zu den Prinzipien der Permakultur. Die Nachhaltigkeit eines Ökosystems benötigt eine geraume Zeit, bis das System die Stabilität besitzt, äußere Störfaktoren abzupuffern. Solche Störfaktoren können Schadorganismen, aber auch äußere Umwelteinflüsse sein.

Ebenso verhält es sich mit dem Erbgut einer Pflanze. Äußere Einflüsse, wie Bodenbeschaffenheit, Nährstoffgehalt, Klima, oder ortstypische Schadorganismen können der Pflanze bekannt sein und durch eine aktivierte Genetik abgepuffert werden oder als Störfaktor das gesunde Wachstum hindern.

Bei der In-Situ-Erhaltung passen sich die Pflanzen von Generation zu Generation an die örtlichen Begebenheiten an. Dadurch leiden sie unter weniger Stress, werden weniger von Schädlingen befallen und liefern bessere, homogene Erträge. Diese epigenetischen Informationen werden fortan an bis zu 16 Generationen weiter vererbt.

Daher ist in-situ-Erhaltung eine wesentliche Basis für eine erfolgreiche nachhaltige Biogartenkultur.